Interview mit Dr. Max von der Planitz: Digitale Transformation im Handel

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Nun gibt es aber immer auch Kritiker der Digitalisierung, z. B. in Bezug auf möglicherweise wegfallende Arbeitsplätze. Welche Argumente bringen Sie Kritikern entgegen?

Vorweg: Digitalisierung ist ja nichts, was ich mir aussuchen kann, sondern Digitalisierung dient dem Kunden und treibt daher den Wettbewerb und den Markt. Digitalisierung führt zu veränderten und neuen Produkten, nehmen wir mal das Smartphone. Mit dem Smartphone hat sich das Kundenverhalten radikal gewandelt. Auf dieses Kundenverhalten müssen Unternehmen reagieren, um weiterhin wettbewerbsfähig zu sein. Insofern habe ich als Unternehmen gar nicht die Wahl, ob ich digitalisiere oder nicht.

Gesellschaftlich ist das natürlich eine Herausforderung, wie man mit diesen Ängsten umgeht, natürlich auch mit der Sorge, dass Arbeitsplätze wegfallen könnten oder sich verändern. Natürlich können Unternehmen an dieser Stelle vieles tun. Sie können zunächst einmal die Ängste der eigenen Mitarbeiter adressieren - durch eine transparente Kommunikation, durch Weiterbildungsmaßnahmen und Ähnliches. Da tut die Otto Group eine ganze Menge und hat eine sehr breite Palette an Möglichkeiten, wie man sich weiterbilden und auf neue Arbeitsprozesse einstellen kann. Letztlich muss dieses gesellschaftliche Problem aus meiner Sicht aber auch an anderer Stelle gelöst werden, denn das ist ja kein neues Problem. Seit der Industrialisierung verändern sich Berufsbilder. Berufsbilder, die es früher in der Landwirtschaft gab, gibt es schon lange nicht mehr, Berufsbilder, die es früher im Kutschenbau gab, gibt es nun auch lange nicht mehr – insofern ist das kein neues Problem. Was neu ist, ist, dass sich die Geschwindigkeit, in der sich Berufsbilder ändern, massiv erhöht. So sind heute teilweise Berufsbilder zum Ende eines Studiums eines jungen Menschen schon andere, als es sie zu Beginn des Studiums noch gab. Und das ist ein Thema, auf das sich Ausbildung generell ganz anders einstellen und viel stärker auf die Fähigkeit, sich neuen Herausforderungen zu stellen, abzielen muss als auf statische Wissensvermittlung.

Hat sich auch bei der Otto Group das Ausbildungsbild angepasst und werden Ihre Auszubildenden in diese Richtung auch mehr und mehr geschult?

Ich meine das Wort Ausbildung eigentlich globaler als nur auf Auszubildende gerichtet, sondern auch bezogen auf Studiengänge und auf alle Formen der Aus- und Fortbildung. Aber selbstverständlich haben sich auch bei uns Ausbildungsgänge und Studiengänge – wir bieten ja auch ein duales Studium an – verändert.

Damit sind wir fast am Ende. Bitte vervollständigen Sie den folgenden Satz: Wenn ich an ein digitalisiertes Gesundheitswesen denke, dann…

…besteht der Mehrwert und die Kernkompetenz von Ärzten nicht mehr in der Diagnose, sondern in der empathischen Betreuung von Menschen.
Generell darf man Digitalisierung nicht mit Entmenschlichung gleichsetzen. Durch Digitalisierung werden Dinge, die Maschinen besser können als Menschen, dem Menschen abgenommen. Umso mehr können sich Menschen aber darauf konzentrieren, was sie selber besser können als Maschinen, und das sind zum Beispiel ein empathischer Umgang mit anderen Menschen oder auch Kreativität. Insofern führt die Digitalisierung nicht zur Entmenschlichung der menschlichen Arbeit, sondern zu der Vermenschlichung der menschlichen Arbeit.

 

 


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Dr. Max von der Planitz

Im Anschluss an das Studium International Management an der ESCP Europe in Paris – London und Berlin arbeitete Dr. Max von der Planitz mehrere Jahre als Berater für McKinsey & Company, wo er vor allem Konsumgüter-, Automobil- und Logistikkonzerne begleitete. In dieser Zeit promovierte er zudem im Forschungsgebiet Strategisches Management an der WHU Otto Beisheim School of Management in Koblenz.
Im Jahr 2013 wechselte Herr v.d.Planitz zur Otto Group und arbeitet im Bereich Konzernstrategie & Entwicklung, dessen Leitung er am 1. April 2017 übernahm. Aktuelle Schwerpunktthemen sind Portfoliomanagement in der globalisierten Plattformökonomie, Conversational Commerce im Zeitalter digitaler Assistenten sowie die Zukunft in der Distributionslogistik.

  • 2004-2007: MSc und Dipl. Kaufm. Internationales Management, ESCP-Europe
  • 2007-2012: McKinsey & Company
  • 2010-2011: Promotion, Dr. rer. pol., Strategisches Management am Institut für Management & Controlling, WHU Otto Beisheim School of Management
  • Seit 2013: Otto Group, Corporate Strategy & Development

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